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Neckarblick - Jahrgang 6,Nr. 61 ** 1. September 1999 **
Flurwirt - zurück zu den WurzelnIm Jahre 1962 eröffnete in Bad Cannstatt in der Flurstraße ein neues Lokal. Der Besitzer des damaligen Neubaues gab den Namen "Flurwirt" - schon bald ein Synonym für qualitative Gastronomie, für ein Angebot, bei dem Preis und Angebot stimmte. Viele Jahre war der "Flurwirt" ein bestens frequentiertes Lokal - nicht nur Cannstatter ließen sich dort verwöhnen. Das Haus in die Jahre - neue Wirte mit ausländischen Namen, mit anderen Konzepten zogen auf, der Name "Flurwirt" verschwand, wo früher gemütliche Nischen im Innern auf Gäste warteten, standen jetzt Billardtische, einarmige Banditen schluckten den Einwurf der Spieler. Diese Art der Gastronomie - bedingt durch die hohe Brauereipacht - hatte keine Chance zum Überleben und im Jahre 1997 drehte sich vorläufig letztmals der Schlüssel im Schloss der Wirtshaustür. Renate und Ralf Gemkow aus Bad Cannstatt werden am 1. September dieses Jahres den "Flurwirt" wieder eröffnen. Ihre Motto : Alte Besen kehren gut. Die Gemkows wollen ganz bewusst zurück zu den Wurzeln, wollen an eine Zeit anknüpfen, in der die eingangs geschilderte Geschäftsphilosophie Gästen und Betreibern Freude machte. Deshalb wird der Kunde im Hauptgastraum mit 40 Plätzen eben just jene gemütliche Nischen und Tische vorfinden, die früher das Gesicht des Hauses geprägt haben. Man macht heute auf alt - Schmalzhäfen , kupferne Bettflaschen, nostalgische Bilder sollen gemütliches Flair verbreiten. Auch die Kegelbahn unter den Gasträumen wollen die Gemkows wieder zum Leben erwecken. Damit die Kugelschieber die Katze nicht im Sack kaufen müssen, bieten die rührigen Wirtsleute kostenlose Schnupperstunden auf der Kegelbahn an. Neueinsteiger ohne Wissen um den Wirteberuf sind die beiden neuen Flurwirte nicht. Zum einen hat Renate das Kochen beim Schwiegervater in dessen bekannt guter Küche gelernt. Ralf hat sich seine Sporen lange Jahre in Sachen Service und Organisation auf diversen gastronomischen Feldern verdient. So ganz wollen die Fachleute hinter der Theke aber nicht auf den nostalgischen Trip
setzen. Ein Novum für Stuttgart wird der Flurwirt bieten : Das Nebenzimmer ist das zweite
Bein des Gastrobetriebs, denn dort wird gespielt. Nein, kein Dorado für Zocker wird dort
entstehen - an den vielen Tischen können bis zu vierzig Personen Gesellschaftsspiele
spielen. Vom traditionellen "Mensch ärgere Dich nicht" bis zu den modernen
"Siedler von Catan" oder dem Domino des 21. Jahrhunderts namens
"Zatre" - rund 200 Spiele sind im Regal aufgebaut, können dort kostenlos im
Nebenzimmer gespielt werden. Hier werden Familienspielabende stattfinden, Spielclubs sich
treffen, hier findet täglich der Wettbewerb "Weg von der Glotze" statt, wie
sich Ralf Gemkow ausdrückt. Lokale solchen Zuschnitts gibt es bisher nur in Berlin und
Frankfurt - Stuttgart sei reif dafür, meinen die Gemkows, die sich als Besitzer eines
Spielevertriebs in der Szene auskennen. Der Service geht weiter - wer eines dieser Spiele
erwerben will, kann vor Ort bestellen, die Post bringt das Vergnügen nach Hause.
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